Herlinde Koelbl – Haare
4. March 2011 Events & Wettbewerbe, Kunst & ModeHaare. Fotografien von Herlinde Koelbl. 15. März - 25. Juni, München, Museum Villa Stuck.Photo credits: Herlinde Koelbl/Villa Stuck


Handarbeit ins Feld der großen Mode zu führen ist ihr Ziel - Eine ungewöhnliche Kollektion zwischen mädchenhafter Anmut und folkloristischer Avantgarde ihre Leistung. Voilá, die erste Kollektion der schwedischen Designerin Lamija Suljevic.


Seit “Art Brutâ€, Maria Francesca Pepe`s dritter Kollektion, versucht die in London lebende Designerin aus Mode und Schmuck eine ästhetische Einheit zu schaffen in der das eine nicht ohne das andere kann - die Dualität der kleidsamen Elemente quasi ein großes Ganzes ergibt. Ein hehres Ziel, das Anbetracht des gestalterischen Talents der Jungdesignerin auch große Erwartungen weckt. Zumindest bei mir.
Nachdem ich durch die vorangegangenen, reinen Schmuckkollektionen „Paradoxa“ und „Mucha“ zum Maria Francesca Pepe Bewunderer erste Güte gereift war, stolperte ich zunächst in das große Loch Enttäuschung. Die Verbindung Kleid und Geschmeide konnte das Niveau der Einzigartigkeit, die Pepe`s geometrische und voluminöse Schmuckkollektionen aufwiesen, keineswegs erreichen. Mit der letzten Kollektion „Les fabulous C“ dann die erneute Annäherung. Ich verstand was ich sah und was ich sah fand ich gut. Neu. Frisch. Konsequent. Und natürlich schön wurde die Idee von zwei Disziplinen in einer umgesetzt.
Schön ist die aktuelle Kollektion “Bathing Beauties†mit Sicherheit auch. Art Nouveau Ästhetik trifft auf 40er Jahre Glamour mitsamt träumerischem Video (Screenshots werden hier gezeigt) in dem alles ganz großartig aussieht. Der Blick aufs Lookbook brachte mich jedoch nicht nur rumpelig zurück auf den harten Boden Realität, er enttäuschte mich auch.

Artisanal Collection aus dem Hause Maison Martin Margiela heißt in dieser Saison zum ersten Mal nicht "handgemacht im Hinterzimmer", sondern "couturesque hochgeschneidert". Auch gut. Klar. Obwohl ich zugeben muss, die Luftballonexperimente und Papierwebereien der vonangegangenen Artisanal Kollektionen haben mir gerade deswegen gefallen, weil sie eher spielerische Experimente als laufstegtaugliche Vorzeigestücke waren. Doch wenn Artisanal bei Maison Martin Margiela jetzt nicht mehr Basteln, sondern Couture ist, dann wünsche ich mir, das großartige Spiegel-Oberteil noch einmal in der aufgemotzen Outfit-Version. Hörste, Margiela?
Berlin ohne Jungdesigner wäre wie Harry ohne den Wagen oder so. Im Kreislauf Mode übernehmen die, die weder bei Sex auf den Toiletten, noch beim Bebelplatz Blitzlichtgewitter beklatscht werden die Säule Kreativität. Und auf dieser Säule hat sich Berlin ja ganz schön breit gemacht. Zu recht. Wo man geht gibt’s was zu sehn - ob Hedonistisches mit Mensch, oder Raum mit Zeit und Stil, Berlin…da geht was. Und auch wenn Messezelte abgebaut und Hallen leergeräumt sind, die Jungen werkeln weiter. Authentisch, kreativ, innovativ, ach herrje und für was Berlin sonst noch so steht.
Zeit also, endlich vom Bebelplatz weg und zu jenen hin zu sehen, die auch nicht im Michalskyesken Rampenlicht standen. Nicole Roscher mit ihrem Label vonBardonitz fiel mir gleich zweimal auf. Im Projektgalerie Showroom und bei der HBC Couture Show, einer Off-Veranstaltung während der Berlin Fashionweek.
Seit 2007 betreibt die Berliner Jungdesignerin ihr, nach einem alten Familiennamen benanntes, Label und kreiert durch die Dekonstruktion klassischer Herrenschnitte zeitlose und zugleich aufregende Kollektionen in der jeder Knopf, jede Naht und jeder Faltenwurf konsequent zu Ende gedacht und gearbeitet wurde.